Mit dem voll bepackten Reiserad durch die Lüneburger Heide auf dem Weg von Celle nach Lauenburg an der Elbe.
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Tag 6 – Durch die Heide bis an die Elbe

15. Juli 2026 | Von Celle nach Lauenburg/Elbe – 113 Kilometer

Nach dem turbulenten Vortag hatte ich gehofft, in Celle endlich wieder richtig Kraft zu tanken. Doch obwohl das Hotelzimmer komfortabel war, verlief die Nacht alles andere als erholsam. Die Ereignisse des vergangenen Tages gingen mir immer wieder durch den Kopf. Das heftige Unwetter, die beiden Pannen und die stickige Luft im Zimmer sorgten dafür, dass ich nur unruhig schlief. Entsprechend müde saß ich nach dem Frühstück wieder auf meinem Fahrrad.

Bevor es allerdings losgehen konnte, stand noch eine wichtige Aufgabe an. Im Fahrradraum des Hotels wechselte ich endlich den beschädigten Hinterreifen, den ich am Vortag in Burgdorf gekauft hatte. Der Reifenwechsel funktionierte überraschend problemlos und ich war froh, wieder mit einem guten Gefühl starten zu können. Dabei fiel mir auf, dass sich immer mehr Hotels auf Radreisende einstellen. Abschließbare Fahrradräume, Lademöglichkeiten für Akkus und kleine Reparaturbereiche sind mittlerweile keine Seltenheit mehr – eine Entwicklung, über die ich mich als Tourenradfahrer jedes Mal freue.

Bei leichtem Nieselregen verließ ich Celle und machte mich auf den Weg Richtung Norden. Schon bald erreichte ich den Naturpark Südheide. Die Landschaft strahlte eine unglaubliche Ruhe aus. Dichte Wälder, weite Heideflächen und kaum Verkehr sorgten dafür, dass ich den Alltag endgültig hinter mir ließ. Langsam stellte sich das Gefühl ein, wirklich im Urlaub angekommen zu sein. Die Umgebung unterschied sich inzwischen deutlich von den Landschaften der ersten Reisetage in Süddeutschland.

Ganz ohne Herausforderungen verlief die Strecke allerdings auch diesmal nicht. Der Untergrund wechselte immer wieder zwischen Sandwegen, feuchten Passagen und Naturpflaster. Gerade die Kombination aus Sand und Wasser ist für ein schwer beladenes Reiserad alles andere als ideal. Immer wieder musste ich konzentriert fahren, um nicht ins Rutschen zu geraten, und die holprigen Naturpflasterwege schüttelten mich und mein Gepäck ordentlich durch. Komfort sieht definitiv anders aus.

Mit dem voll bepackten Reiserad durch die Lüneburger Heide auf dem Weg von Celle nach Lauenburg an der Elbe.

Auch wenn die großen Steigungen inzwischen der Vergangenheit angehörten, bemerkte ich deutlich, dass die vergangenen Tage Kraft gekostet hatten. Spätestens in der Lüneburger Heide spürte ich, dass meine Beine nicht mehr ganz so frisch waren wie zu Beginn der Reise. Deshalb entschied ich mich, in Lüneburg eine längere Pause einzulegen. Bei einer leckeren Spinatpizza ließ ich es bewusst ruhig angehen. Heute musste ich niemandem etwas beweisen. Mit 113 Kilometern war die Etappe vergleichsweise kurz und ich konnte mir die Zeit nehmen, die mein Körper gerade brauchte.

estärkt ging es anschließend weiter entlang des Elbe-Seitenkanals. Besonders beeindruckt hat mich dort die riesige Schiffshebeanlage. Erst wenn man direkt davorsteht, wird einem bewusst, welche technischen Meisterleistungen hier erbracht wurden. Ganze Frachtschiffe werden mitsamt ihrer Ladung auf eine andere Höhe transportiert – ein faszinierendes Schauspiel und ein eindrucksvolles Beispiel deutscher Ingenieurskunst.

Kurz vor dem Tagesziel wartete dann noch eine kleine Herausforderung. In Hohnstorf musste ich die Elbe überqueren. Wegen einer Baustelle führte der Weg jedoch nicht bequem über einen Radweg, sondern zunächst eine hohe Treppe hinauf. Also hieß es wieder einmal: Gepäck abnehmen, Fahrrad tragen, Taschen hinterher und anschließend alles auf der anderen Seite wieder verladen. Solche Momente kosten zwar Zeit und Kraft, gehören aber inzwischen fast schon zum Alltag einer längeren Radreise.

Auf der anderen Seite der Elbe war Lauenburg schnell erreicht, und wenig später rollte ich auf den Campingplatz am Lanzer See. Sofort wusste ich: Genau so stelle ich mir einen Campingplatz vor. Keine überzogenen Preise, ein ruhiger Bereich speziell für Radfahrer mit Tisch und Bank und nur wenige Schritte bis zum See, der nach diesem Tag die perfekte Abkühlung bot.

Als wäre das noch nicht genug, verlief direkt am Campingplatz ein Kanal, auf dem immer wieder kleinere Boote vorbeifuhren. Ich saß noch lange am Wasser, beobachtete das ruhige Treiben und genoss die entspannte Atmosphäre. Inzwischen hatte sich auch das Wetter komplett beruhigt. Die Sonne ließ sich wieder blicken und ich hatte endlich einmal genügend Zeit, einfach nichts zu tun.

Nach den ereignisreichen Tagen zuvor war genau das vielleicht das größte Geschenk. Kein Zeitdruck, keine Panne, keine langen Schiebepassagen – einfach nur Radfahren, Natur genießen und am Abend an einem Ort ankommen, an dem man sich sofort wohlfühlt.

Je weiter ich nach Norden komme, desto stärker habe ich das Gefühl, dass die Reise ihren eigenen Rhythmus gefunden hat. Und genau das macht dieses Abenteuer von Tag zu Tag schöner.

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