Mit dem voll bepackten Reiserad auf der Fähre von Puttgarden nach Rødby während der Fahrradreise von Ulm nach Stockholm.
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Tag 8 – Mit der Fähre nach Dänemark und ein Abend voller Begegnungen

17. Juli 2026 | Vom Weißenhäuser Strand nach Storstrøm – 118 Kilometer

Nach der ersten Nacht auf einem der großen Campingplätze an der Ostsee wusste ich wieder, warum ich solche Anlagen nur bedingt mag. Wirklich ruhig wird es dort eigentlich nie. Irgendjemand hört immer Musik, Kinder spielen bis spät in den Abend oder irgendwo wird noch laut zusammengesessen. Jeder meint es sicherlich nicht böse, aber am Ende addieren sich all diese Geräusche zu einer Nacht, in der man nur schwer zur Ruhe kommt. Genau deshalb freute ich mich umso mehr auf mein Tagesziel. Heute wollte ich zum ersten Mal auf einem Shelterplatz in Dänemark übernachten.

Das dänische Shelter-System ist eine wunderbare Einrichtung für Radfahrer und Wanderer. Über das ganze Land verteilt gibt es einfache, naturnahe Übernachtungsplätze. Viele verfügen über hölzerne Schutzhütten – die sogenannten Shelter –, Feuerstellen, Sitzmöglichkeiten, Toiletten und oft sogar über fließendes Wasser. Einige Plätze sind kostenlos, andere kosten nur wenige Euro und können bequem online reserviert werden. Gerade für Radreisende sind sie eine großartige Alternative zu klassischen Campingplätzen. Ruhig, mitten in der Natur und ohne den Trubel großer Ferienanlagen – genau das, was ich mir für diese Reise vorgestellt hatte.

Doch bevor ich Dänemark erreichen sollte, warteten zunächst 118 abwechslungsreiche Kilometer auf mich.

Über Oldenburg in Holstein führte mich die Route zunächst zur imposanten Fehmarnsundbrücke. Schon die Überquerung der Brücke war ein Erlebnis. Der Blick über die Ostsee und auf die vielen Boote machte sofort Lust auf das, was noch kommen sollte. Direkt hinter der Brücke legte ich beim Bäcker eine erste Pause ein und stärkte mich mit ein paar süßen Teilchen. Schließlich würde heute nicht nur eine Landesgrenze überschritten werden, sondern auch die Ostsee.

Von dort ging es weiter über Burg auf Fehmarn bis nach Puttgarden, wo die Fähre nach Dänemark auf mich wartete. Am Fährterminal musste ich mich zunächst einmal orientieren. Welche Spur war die richtige? Wo kauft man eigentlich das Ticket? Nachdem ich schließlich 27 Euro bezahlt hatte, wurde ich auf Spur 1 geschickt. Eine Kleinigkeit fand ich dabei ziemlich kurios: Man kann offenbar nur Hin- und Rückfahrt zusammen buchen, selbst wenn man – wie ich – ganz sicher nur eine einfache Überfahrt benötigt.

Etwa eine halbe Stunde wartete ich geduldig an der Ampel. Als sie endlich auf Grün sprang, dachte ich, jetzt könne ich endlich auf die Fähre rollen. Doch nur wenige Meter vor dem Schiff wurde ich erneut gestoppt und auf eine Seitenspur geschickt.

Radfahrer fahren grundsätzlich als Letzte auf die Fähre.

Mit dem voll bepackten Reiserad auf der Fähre von Puttgarden nach Rødby während der Fahrradreise von Ulm nach Stockholm.

Während ich wartete, konnte ich in aller Ruhe beobachten, wie sich das riesige Schiff Stück für Stück mit Autos, Wohnmobilen und Lastwagen füllte. Für jemanden wie mich, der vom Land kommt, sind diese Dimensionen immer wieder beeindruckend. Erst wenn man direkt danebensteht, wird einem bewusst, wie gewaltig diese Fähren eigentlich sind.

Als schließlich auch wir Radfahrer an Bord durften, begann eine rund 45-minütige Überfahrt nach Dänemark. Natürlich musste ich sofort hinaus an Deck. Dort wehte allerdings ein so frischer Wind, dass ich zum ersten Mal auf dieser Reise tatsächlich fror. Trotzdem wollte ich mir den Blick auf die Ostsee nicht entgehen lassen.

Besonders beeindruckt hat mich der große Offshore-Windpark, der sich vor der Küste erstreckte. Immer wieder dachte ich daran, wie wichtig solche Anlagen für unsere zukünftige Energieversorgung sind. Jede Windkraftanlage hilft dabei, unabhängiger von Öl und Gasimporten zu werden. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass wir in Deutschland diese Energiewende nur gemeinsam schaffen können – und dazu gehören eben auch die Stromleitungen, die den erzeugten Strom dorthin bringen, wo er gebraucht wird.

An Bord gab es sogar einen Duty-Free-Shop. Ehrlich gesagt hatte ich immer geglaubt, dort sei alles besonders günstig. Nach einem kurzen Rundgang war ich allerdings eher überrascht: Wirklich billiger wirkte auf mich dort nichts.

Nach der Überfahrt hieß es zunächst wieder warten. Wer zuletzt auf die Fähre fährt, darf sie natürlich auch als Letzter wieder verlassen. Erst als sämtliche Autos und Lastwagen das Schiff verlassen hatten, waren wir Radfahrer an der Reihe.

Die Einreise nach Dänemark verlief dann völlig unspektakulär. Wie schon an vielen anderen europäischen Grenzen interessierte sich niemand für mich oder mein Fahrrad. Kein Stopp, keine Kontrolle – einfach weiterfahren. Genau so fühlt sich Europa an.

Schon auf den ersten Kilometern merkte ich, dass Dänemark ein echtes Fahrradland ist. Die Radwege waren hervorragend ausgebaut und machten das Fahren angenehm und sicher. Über die Insel Lolland führte mich die Strecke Richtung Maribo und weiter nach Sakskøbing. Unterwegs erledigte ich auch meinen ersten Einkauf in einem dänischen Supermarkt. Ohne Sprachkenntnisse ist das durchaus spannend. Viele Produkte sehen vertraut aus, andere sorgen erst einmal für fragende Blicke. Aber genau solche kleinen Alltagserlebnisse machen den Reiz einer Reise aus.

Unterwegs reservierte ich mir schließlich online für gerade einmal 5,50 Euro einen Platz auf einem Shelterplatz. Eigentlich hatte ich gedacht, der Shelter selbst sei bereits belegt. Vor Ort stellte sich jedoch heraus, dass die Markierung lediglich bedeutete, dass dort am Morgen noch jemand übernachtet hatte. So hatte ich den Platz zunächst ganz für mich allein.

Ringsherum leuchteten goldgelbe Getreidefelder in der Abendsonne. Es war unglaublich ruhig. Genau diese Atmosphäre hatte ich mir erhofft.

Nachdem mein Zelt aufgebaut war, lief ich noch etwa 500 Meter zu einem kleinen Hafen. Dort gab es fließendes Wasser und eine Toilette – genau das, was ich brauchte, um mir mein Abendessen zuzubereiten. Es gab Couscous mit Gemüse und Bohnen. Kein Sterne-Menü, aber nach einem langen Radtag schmeckt so ein einfaches Essen oft besser als jedes Restaurant.

Anschließend legte ich mich ins Zelt, hörte ein wenig Musik und genoss die Ruhe. Irgendwann hörte ich Stimmen. Als ich vorsichtig aus dem Zelt schaute, begrüßte mich ein junges Paar. Ganz automatisch begannen wir das typische Gespräch, das Reisende überall auf der Welt miteinander führen.

„Where are you from?“

„Where are you going?“

Nach wenigen Minuten mussten wir alle lachen, als wir feststellten, dass wir dieses Gespräch genauso gut auf Deutsch hätten führen können. Die beiden kamen aus der Nähe von Kiel.

Wir unterhielten uns noch lange über das Reisen, unsere Pläne und das Leben unterwegs. Er wollte am nächsten Tag wieder nach Hause fahren, während sie mit dem Fahrrad bis auf die Lofoten reisen wollte, um dort ein Festival zu besuchen.

Solche Begegnungen gehören für mich zu den schönsten Momenten einer Radreise. Menschen, die sich vorher noch nie gesehen haben, sitzen plötzlich zusammen und tauschen Geschichten aus, als würden sie sich schon lange kennen.

Als ich schließlich müde ins Zelt kroch, achteten die beiden ganz selbstverständlich darauf, möglichst leise zu sein. Sie flüsterten nur noch, damit ich schlafen konnte.

Genau so funktioniert Rücksichtnahme.

Nicht mit Verbotsschildern oder Regeln, sondern einfach dadurch, dass man aneinander denkt.

Und genau deshalb war diese Nacht auf dem Shelterplatz schon jetzt schöner als die Nacht zuvor auf dem großen Campingplatz.

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