Tag 9 – Ankommen in Kopenhagen
18. Juli 2026 | Vom Shelterplatz nach Kopenhagen
Nach einer wunderbar ruhigen Nacht auf dem Shelterplatz in Dänemark wachte ich erholt auf. Der Unterschied zur Nacht auf den großen Campingplätzen hätte kaum größer sein können. Keine laute Musik, keine feiernden Nachbarn und kein ständiges Kommen und Gehen – stattdessen Vogelgezwitscher und die Ruhe der Natur. Genau so hatte ich mir das vorgestellt.
Heute wartete das erste große Ziel meiner Reise auf mich: Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt hatte ich schon lange auf meiner Wunschliste, und entsprechend groß war die Vorfreude auf diesen Tag.
Schon kurz nach dem Start stand mit der Storstrømsbrücke das erste Highlight auf dem Programm. Wieder einmal wurde deutlich, welchen Stellenwert das Fahrrad in Dänemark hat. Während in Deutschland Radfahrer auf vielen Brücken oft nur einen schmalen Streifen oder einen gemeinsamen Geh- und Radweg nutzen dürfen, verfügt die Storstrømsbrücke über eine großzügig ausgebaute, zweispurige Fahrbahn ausschließlich für den Radverkehr. Hier fühlt man sich als Radfahrer nicht wie ein Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse, sondern als selbstverständlicher Bestandteil der Mobilität. Genau diese Wertschätzung begegnete mir in Dänemark immer wieder und beeindruckte mich jedes Mal aufs Neue.
Die Strecke führte anschließend über Vordingborg weiter Richtung Norden. Besonders der Abschnitt entlang des Præstø Fjords blieb mir in Erinnerung. Die Straße schlängelte sich direkt an der Küste entlang, vorbei an gepflegten Häusern mit Blick aufs Wasser. Immer wieder öffneten sich kleine Buchten und Häfen, und ich ertappte mich dabei, wie ich häufiger anhielt als geplant, einfach um die Aussicht einen Moment länger zu genießen.
Nach diesem landschaftlich wunderschönen Abschnitt wurde die Strecke etwas hügeliger. Die Anstiege waren zwar durchaus spürbar, aber nie wirklich lang oder steil. Damals dachte ich noch, dass diese Wellen schon eine kleine Herausforderung seien. Heute muss ich darüber schmunzeln. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt bereits gewusst, welche Anstiege mich wenige Tage später in Schweden erwarten würden, hätte ich diese dänischen Hügel wahrscheinlich als gemütliches Einrollen empfunden.
Über Lystrup und Køge ging es schließlich immer weiter Richtung Kopenhagen. Je näher ich der Hauptstadt kam, desto dichter wurde die Bebauung. Die letzten Kilometer zogen sich erstaunlich in die Länge. Statt weiter Küstenlandschaften oder kleiner Dörfer führte die Strecke nun fast ausschließlich durch Vororte und Wohngebiete. Kilometerlang reihten sich Häuser aneinander. Landschaftlich war das sicher nicht der spektakulärste Abschnitt meiner Reise, doch gleichzeitig spürte ich mit jedem Kilometer, dass ich meinem Ziel näherkam.
Als ich schließlich das Zentrum von Kopenhagen erreichte, überwog vor allem ein Gefühl: Erleichterung.
Nach den vielen Tagen im Sattel war ich körperlich völlig erschöpft. Als ich schließlich vor dem Hotel Nora stand, war ich einfach nur glücklich, angekommen zu sein. Gleichzeitig merkte ich aber auch, wie sehr die vergangenen Etappen an meinen Kräften gezehrt hatten.
Das zeigte sich sogar schon beim Einchecken.
An der Rezeption bekam ich ein Formular für das Frühstück am nächsten Morgen. Eigentlich war das System ganz einfach, doch in meiner Müdigkeit verstand ich zunächst überhaupt nicht, was von mir erwartet wurde. Also nahm ich den Zettel kurzerhand mit aufs Zimmer. Erst nach einer heißen Dusche und einer kleinen Pause wurde mein Kopf wieder klar genug, um ihn in Ruhe auszufüllen.
Die Idee des Hotels fand ich allerdings hervorragend. Um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, stellt sich jeder Gast sein Frühstück bereits am Vorabend schriftlich zusammen. Am nächsten Morgen erhält man dann genau die Auswahl, die man bestellt hat. Ein einfaches Konzept mit großer Wirkung, denn so wird nur das zubereitet, was tatsächlich gegessen wird.
Die Qualität des Frühstücks war ausgezeichnet. Alles war frisch, liebevoll angerichtet und geschmacklich wirklich hervorragend. Nur einen kleinen Kritikpunkt hätte ich als Radreisender: Nach vielen Tagen mit täglichen Etappen von über 100 Kilometern hätte ich mir einfach etwas größere Portionen gewünscht. Mein Energiebedarf war in dieser Zeit eben ein ganz anderer als der eines klassischen Städtetouristen.
Mit der Ankunft in Kopenhagen endete nicht nur eine weitere Etappe meiner Reise. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, einen wichtigen Meilenstein erreicht zu haben. Von Ulm bis hierher lagen bereits viele hundert Kilometer hinter mir, zahlreiche Erlebnisse, kleine Pannen, großartige Begegnungen und unvergessliche Landschaften.
Jetzt warteten erst einmal zwei Tage in einer der fahrradfreundlichsten Städte Europas auf mich. Zeit, etwas zur Ruhe zu kommen, Kraft zu sammeln und Kopenhagen in aller Ruhe zu entdecken, bevor das nächste große Kapitel meiner Reise Richtung Stockholm beginnen würde.
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