Tag 3 – Durch die Rhön zur verdienten Abkühlung
11. Juli 2026 | Von Zellingen nach Schlitz – 126 Kilometer
Nach der unruhigen Nacht auf dem Campingplatz in Zellingen fiel das Aufstehen erstaunlich leicht. Um 8 Uhr saß ich wieder auf dem Fahrrad. Die Ereignisse des Vorabends wollte ich möglichst schnell hinter mir lassen – vor mir lagen 126 Kilometer und die Vorfreude auf neue Landschaften.
Die ersten Kilometer verliefen genau so, wie man sich einen Sommertag auf dem Rad wünscht. Der Main-Radweg führte mich zunächst über Karlstadt bis nach Gemünden am Main. Die Morgensonne war noch angenehm, der Fluss lag ruhig neben dem Radweg und ich konnte den Tag deutlich entspannter beginnen als den vorherigen.
In Gemünden gönnte ich mir ein zweites Frühstück. Zwei frische Laugenbrezen sollten die nötige Energie liefern, denn ich wusste, dass hinter dem Main die nächsten Anstiege auf mich warteten. Die Rhön kündigte sich bereits an.
Der Anstieg selbst war deutlich angenehmer, als ich erwartet hatte. Zwar ging es stetig bergauf, doch die Steigungen waren nie extrem. Stattdessen belohnte mich die Landschaft mit weiten Ausblicken, grünen Wäldern und einer wohltuenden Ruhe. Nach der eher enttäuschenden Campingplatzerfahrung vom Vorabend war genau das Balsam für die Seele. Manchmal reicht schon eine schöne Strecke, um die Stimmung komplett zu drehen.
Über Rieneck und Altengronau führte mich die Route weiter Richtung Norden. Die Rhön zeigte dabei immer wieder ihr typisches Gesicht: sanfte Hügel wechselten sich mit längeren Anstiegen ab. Auch wenn einige Höhenmeter zu bewältigen waren, ließ sich die Strecke insgesamt sehr angenehm fahren.
An Fulda vorbei ging es schließlich den letzten Kilometern entgegen. Eigentlich hätte der Tag nun ganz entspannt ausklingen können.
Eigentlich.
Denn ich hatte mir – wie schon an den Vortagen – den Campingplatz recht spontan ausgesucht. Und genauso spontan vertraute ich meiner Navigation, ohne die Route genauer zu prüfen. Die vermeintliche Abkürzung entpuppte sich erneut als Fehler. Statt eines gemütlichen Weges wartete eine extrem steile Passage auf mich, die mit dem voll beladenen Reiserad schlicht nicht fahrbar war.
Also hieß es wieder einmal: absteigen, schieben und fluchen.
Langsam entwickelte sich daraus fast schon ein Running Gag meiner Reise. Offenbar habe ich ein besonderes Talent dafür, aus harmlos aussehenden Abkürzungen echte Schiebepassagen zu machen.
Zum Glück war der Frust bereits wenige Minuten später vergessen.
Der Campingplatz in Schlitz, direkt neben dem Freibad gelegen, erwies sich als echter Glücksgriff. Schon bei der Ankunft wurde ich vom Platzwart herzlich empfangen. Er erklärte mir in aller Ruhe alles Wichtige und machte mich gleich auf einen besonderen Vorteil aufmerksam: Der Eintritt ins Freibad war bereits im Campingpreis enthalten.
Nach dem Aufbau meines Zeltes musste ich deshalb nicht lange überlegen.
Bei fast 30 Grad Außentemperatur gab es kaum etwas Schöneres, als direkt ins Wasser zu springen. Während die Hitze des Tages langsam von mir abfiel, spürte ich, wie sich auch die Anstrengung der vergangenen Kilometer in Wohlgefallen auflöste.
Genau solche Momente machen eine Radreise aus. Es geht nicht nur um die Kilometer oder die Geschwindigkeit. Es sind diese kleinen Belohnungen am Ende eines langen Tages – eine freundliche Begegnung, ein unerwartet schöner Campingplatz oder einfach ein kühles Schwimmbecken nach vielen Stunden im Sattel.
Der dritte Reisetag zeigte mir wieder einmal, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Nach einer schlechten Nacht und einer weiteren ungeplanten Schiebepassage endete der Tag mit einem Lächeln im Gesicht und dem Gefühl, genau am richtigen Ort angekommen zu sein.
Morgen wartet bereits die nächste Etappe Richtung Norden. Und vielleicht gelingt es mir ja dann endlich, eine Route ohne unfreiwillige Schiebepassage zu finden. Zumindest nehme ich mir das jedes Mal wieder vor.
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