Kopenhagen
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Regeneration in Kopenhagen – Zwischen Märchen, moderner Architektur und einer Stadt, die das Fahrrad liebt

Nach den vergangenen Tagen mit langen Etappen im Sattel war heute bewusst ein Gang heruntergeschaltet. Die Wolken hingen über Kopenhagen, immer wieder nieselte es leicht und die Temperaturen waren nach der Hitze der vergangenen Woche einfach perfekt. Kein Wetter für Rekorde – aber genau das richtige Wetter, um eine Stadt zu Fuß zu entdecken.

Nach einem gemütlichen Frühstück machte ich mich vom Hotel Nora aus auf den Weg durch das Stadtviertel Nørrebro. Schon nach wenigen Minuten merkte ich, wie gut es tat, nicht auf den Tacho oder die Kilometer zu schauen. Heute ging es nur darum, Kopenhagen auf mich wirken zu lassen.

Mein erster Halt war der Assistens Kirkegård. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Friedhof klingt, ist in Wirklichkeit eine grüne Oase mitten in der Stadt. Zwischen alten Bäumen, gepflegten Wegen und historischen Grabstätten begegnen sich hier Geschichte und Alltag. Viele Kopenhagener kommen zum Spazieren, Lesen oder einfach zum Entspannen hierher.

Besonders bewegt hat mich der Besuch am Grab von Hans Christian Andersen. Der weltberühmte dänische Schriftsteller schenkte der Welt Märchen wie Die kleine Meerjungfrau, Das hässliche Entlein oder Des Kaisers neue Kleider. Auf seinem Grab lagen zahlreiche Stifte, die Besucher dort als Zeichen der Dankbarkeit und Inspiration hinterlassen hatten. Dieser einfache Brauch hat mich tief berührt. Er zeigt, wie sehr Geschichten Menschen über Generationen hinweg begleiten und inspirieren können. Ich blieb dort einige Minuten stehen und genoss die besondere Atmosphäre dieses Ortes.

Von dort führte mein Weg weiter zum Superkilen-Park. Dieser außergewöhnliche Stadtpark gilt weltweit als Vorzeigeprojekt moderner Stadtplanung. Menschen aus mehr als 60 Nationen leben in diesem Stadtteil, und genau das spiegelt der Park wider. Über hundert Objekte aus den verschiedensten Ländern wurden hier zusammengetragen – Sitzbänke, Lampen, Schilder, Spielgeräte und Kunstwerke erzählen Geschichten aus aller Welt. Besonders beeindruckend war der berühmte rote Platz mit seinen markanten weißen Linien, der fast surreal wirkt und zu den bekanntesten Fotomotiven Kopenhagens gehört.

Anschließend ging es in Richtung Innenstadt. Dort wartete bereits das nächste Wahrzeichen auf mich: der Runde Turm (Rundetårn). Er wurde bereits im Jahr 1642 unter König Christian IV. erbaut und diente ursprünglich als astronomisches Observatorium. Besonders ungewöhnlich ist der spiralförmig ansteigende Weg im Inneren. Statt Treppen führt eine breite Rampe bis nach oben. Früher konnten sogar Pferdekutschen den Turm hinauffahren. Von oben bietet sich ein wunderschöner Blick über die Dächer Kopenhagens.

Nur wenige Minuten entfernt begann die berühmte Einkaufsstraße Strøget. Mit über einem Kilometer Länge zählt sie zu den ältesten und längsten Fußgängerzonen Europas. Zwischen historischen Gebäuden wechseln sich bekannte internationale Marken mit kleinen dänischen Designgeschäften ab. Straßenmusiker sorgten trotz des wechselhaften Wetters für eine entspannte Atmosphäre, und überall spürte man dieses typisch skandinavische Lebensgefühl.

Kopenhagens. Die bunten Häuser aus dem 17. Jahrhundert spiegeln sich im Wasser des historischen Hafens. Früher war Nyhavn ein geschäftiger Handelshafen mit Seefahrern, Tavernen und Werften. Heute ist er einer der beliebtesten Treffpunkte der Stadt. Besonders spannend fand ich, dass Hans Christian Andersen mehrere Jahre in verschiedenen Häusern entlang des Hafens lebte und hier einige seiner berühmtesten Märchen schrieb. So schloss sich der Kreis zu meinem Besuch auf dem Friedhof am Morgen.

Kopenhagen

Was mich als Radfahrer heute mindestens genauso beeindruckt hat wie die Sehenswürdigkeiten, war die Fahrradkultur in Kopenhagen. Obwohl ich die Stadt heute ausschließlich zu Fuß und mit dem Bus erkundet habe, fiel mein Blick immer wieder auf die unzähligen Radfahrer. Hier ist das Fahrrad kein Freizeitgerät, sondern ein ganz selbstverständliches Verkehrsmittel für den Alltag. Breite, baulich getrennte Radwege ziehen sich durch nahezu die gesamte Stadt. An Kreuzungen gibt es eigene Ampeln für Radfahrer, viele Straßen verfügen über sogenannte „Grüne Wellen“, bei denen die Ampelschaltung auf etwa 20 km/h abgestimmt ist. Wer dieses Tempo fährt, kommt oft ohne anzuhalten durch die Stadt.

Kopenhagen investiert seit Jahrzehnten konsequent in den Radverkehr. Heute verfügt die Stadt über mehr als 400 Kilometer Radwege, ergänzt durch zahlreiche Fahrradbrücken, die ausschließlich Radfahrern und Fußgängern vorbehalten sind. Täglich werden hier weit über eine Million Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt. Rund die Hälfte aller Arbeits- und Ausbildungswege innerhalb der Stadt erfolgt mit dem Fahrrad – ein Spitzenwert im internationalen Vergleich. Das sorgt nicht nur für weniger Staus und Lärm, sondern verbessert auch die Luftqualität und macht Kopenhagen insgesamt lebenswerter.

Während in vielen deutschen Großstädten noch immer darüber diskutiert wird, ob dem Fahrrad mehr Platz eingeräumt werden soll, zeigt Kopenhagen längst, wie erfolgreich eine konsequente Verkehrspolitik sein kann. Natürlich gibt es auch hier Autos, Busse und Lieferverkehr. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass alle Verkehrsteilnehmer ihren festen Platz haben und die Infrastruktur darauf ausgelegt ist, Konflikte möglichst zu vermeiden. Als begeisterter Radfahrer hat mich das tief beeindruckt. Ich würde mir wünschen, dass sich viele deutsche Großstädte dieses Konzept zum Vorbild nehmen.

Auf dem Rückweg zum Hotel gönnte ich mir einen leckeren veganen Falafelteller. Nach den vielen Kilometern auf dem Fahrrad tat eine entspannte Mahlzeit ohne Zeitdruck richtig gut. Anschließend schaute ich noch bei Lidl vorbei und füllte meine Lebensmittelvorräte für die nächsten Etappen Richtung Stockholm auf.

Der Rest des Tages verlief ganz unspektakulär – und genau das war perfekt. Ich wusch meine Wäsche, sortierte meine Ausrüstung und nutzte die Zeit, um endlich wieder am Blog zu arbeiten. Nach den ersten Tagen der Reise, in denen fast nur das Radfahren im Mittelpunkt stand, fühlte sich dieser ruhige Tag fast wie ein kleiner Urlaub innerhalb der Reise an.

Manchmal sind es eben nicht die spektakulären Kilometer oder die höchsten Berge, die eine Reise besonders machen. Manchmal sind es ein leichter Nieselregen, ein stiller Moment am Grab von Hans Christian Andersen, bunte Häuser am Wasser und das Gefühl, einfach angekommen zu sein. Genau das hat mir Kopenhagen heute geschenkt.

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