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Tag 2 – Kilometer sammeln zwischen Fachwerk, Weinbergen und Hitze

10. Juli 2026 | Von Nördlingen nach Zellingen – ca. 160 Kilometer

Der zweite Tag meiner Reise begann deutlich früher als der erste. Bereits kurz vor sieben Uhr rollte ich vom Hof meiner Gastgeber los. Bevor ich mein Zelt endgültig verstaut hatte, kam Nadine noch einmal vorbei, um sich von mir zu verabschieden. Genau diese kleinen Gesten machen One Night Tent für mich so besonders. Aus einer einfachen Übernachtung wird schnell eine persönliche Begegnung.
Für diesen Tag hatte ich mir bewusst eine lange Etappe vorgenommen. Die knapp 160 Kilometer waren kein Selbstzweck, sondern Teil meiner Planung. Ich möchte mir in den ersten Tagen einen Zeitpuffer erarbeiten, um später – falls die Hitze zu belastend wird oder ich einfach einen Erholungstag brauche – ohne Zeitdruck einen Pausentag einlegen zu können. Gerade auf einer vierwöchigen Radreise ist es wichtiger, flexibel zu bleiben, als jeden einzelnen Tag bis ins Detail festzulegen.

Schon nach kurzer Zeit wartete das erste kleine Highlight des Tages auf mich. Ich überquerte den 49. Breitengrad. Ein Hinweisschild zeigte eindrucksvoll, welche Orte rund um die Welt auf derselben geografischen Linie liegen. Solche Momente erinnern daran, wie weit die Erde eigentlich ist – und gleichzeitig, dass jeder einzelne Kilometer Teil einer viel größeren Reise ist.


Die Strecke führte mich zunächst nach Dinkelsbühl. Die historische Altstadt mit ihren gut erhaltenen Fachwerkhäusern gehört nicht ohne Grund zu den schönsten Deutschlands. Obwohl ich nicht lange verweilte, spürte man sofort den besonderen Charme dieser mittelalterlichen Stadt.


Weiter ging es nach Rothenburg ob der Tauber, dessen Stadtbild weltweit bekannt ist. Auch hier hätte man problemlos einen ganzen Tag verbringen können. Doch mein Ziel lag heute noch weit entfernt, also blieb nur Zeit für einige Eindrücke, bevor ich weiter Richtung Creglingen fuhr.
Von dort begann einer der schönsten Abschnitte des Tages: der Gaubahn-Radweg bis nach Ochsenfurt. Die ehemalige Bahntrasse ist hervorragend ausgebaut, steigungsarm und führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Hier machte das Radfahren richtig Spaß. Nach den Erlebnissen des Vortages konnte ich die Kilometer heute einfach genießen.
Ab Ochsenfurt wechselte ich auf den Main-Radweg, der mich weiter über Würzburg bis nach Zellingen führte.

Der Main begleitete mich nun auf den letzten Kilometern. Weinberge, Flusslandschaften und kleine Ortschaften sorgten dafür, dass die Strecke trotz der zunehmenden Erschöpfung nie langweilig wurde.
Allerdings verlangte das Wetter heute seinen Tribut. Rund 30 Grad machten die knapp 160 Kilometer deutlich anstrengender, als es die flache Strecke vermuten ließ. Kilometer um Kilometer sammelten sich in den Beinen. Am Ende des Tages war ich schlichtweg erschöpft.
Umso größer war die Hoffnung auf einen entspannten Abend auf dem Campingplatz.
Leider wurde daraus nichts.
Schon beim Einchecken begann das Chaos. Bezahlen durfte ich nicht, weil die Rezeption erst am nächsten Morgen um acht Uhr kassieren wollte. Für jemanden, der bei Sommerhitze möglichst früh weiterfahren möchte, ist das alles andere als ideal.
Auch die Duschen funktionierten anders als erwartet. Sie konnten nur über einen QR-Code freigeschaltet werden, dessen Zugangsdaten per SMS verschickt werden sollten. Nach einer Stunde war immer noch keine Nachricht angekommen. Erst nachdem ich erneut nachfragte, konnte das Problem gelöst werden.
Mein Zeltplatz selbst bot praktisch keinen Schatten – ausgerechnet nach einem Tag mit brennender Sonne. Als wäre das nicht genug, breitete sich in unmittelbarer Nähe eine größere Partygruppe aus, deren Lautstärke kaum zu überhören war. Durch die Lage direkt am Main kam noch der regelmäßige Zugverkehr auf der gegenüberliegenden Flussseite hinzu. An erholsamen Schlaf war kaum zu denken.
Den Tiefpunkt des Abends erlebte ich jedoch, als ich mir einen schattigen Platz suchte, um endlich etwas zu essen und kurz durchzuatmen. Kaum hatte ich mich hingesetzt, erschien ein Autofahrer und erklärte ziemlich unfreundlich, dass dies sein Parkplatz sei. Nach fast 160 Kilometern in der Hitze fehlte mir ehrlich gesagt die Kraft für Diskussionen.
Nicht jeder Tag auf einer langen Radreise besteht aus perfekten Sonnenuntergängen und idyllischen Campingplätzen. Manchmal sind es genau diese kleinen Ärgernisse, die dazugehören. Entscheidend ist, wie man damit umgeht.
Als ich schließlich im Zelt lag, war ich körperlich vollkommen ausgepowert. Trotzdem überwog ein Gedanke: Die Strecke selbst war fantastisch. Der Gaubahn-Radweg und der Main-Radweg gehörten zu den schönsten Abschnitten, die ich bisher gefahren bin. Wenn jetzt noch die Unterkunft mitgespielt hätte, wäre dieser Tag nahezu perfekt gewesen.
So bleibt der zweite Reisetag als eine Mischung aus großartiger Landschaft, vielen Kilometern, sengender Hitze und der Erkenntnis in Erinnerung, dass nicht jede Unterkunft den Zauber einer Reise widerspiegelt. Morgen wartet bereits die nächste Etappe – und mit ihr wieder neue Geschichten.

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