Tag 1 – Der erste Tritt in ein großes Abenteuer
09. Juli 2026 | Von Unterkirchberg nach Nördlingen
Es war 14:45 Uhr, als ich die ersten Pedalumdrehungen machte. Der Moment, auf den ich monatelang hingearbeitet hatte, war endlich da: Meine Reise von Ulm bis nach Stockholm begann.
Selten zuvor haben mir so viele Menschen vor der Abfahrt Glück gewünscht. Familie, Freunde, Kollegen – alle hofften, dass ich gesund ankomme und alles gut verläuft. Diese Wünsche gaben mir ein gutes Gefühl, machten mir aber auch bewusst, wie groß dieses Abenteuer tatsächlich ist.
Vor der Abfahrt hatten sich noch einige meiner Kollegen aus dem Konzernbetriebsrat mein voll bepacktes Fahrrad angesehen. Zwischen neugierigen Blicken und anerkennendem Staunen fiel auch mehr als einmal mit einem Augenzwinkern der Satz: „Du spinnst!“ Ich musste lachen. Wahrscheinlich hatten sie sogar ein bisschen recht. Aber genau solche verrückten Ideen machen das Leben spannend.
Die ersten Kilometer führten mich über Langenau weiter Richtung Lauingen an der Donau. Anfangs fühlte sich alles noch ungewohnt an. Das Fahrrad war deutlich schwerer als sonst, jede Lenkbewegung etwas träger. Doch nach rund 40 Kilometern begann ich, mich langsam an das zusätzliche Gepäck zu gewöhnen. Das Rad rollte immer besser und ich fand meinen Rhythmus.

Besonders beeindruckt hat mich an diesem Tag die Landschaft. Die Felder wirkten bereits wie mitten im Hochsommer. Das Getreide stand goldgelb und reif auf den weiten Flächen. Für den 9. Juli erschien mir die Natur außergewöhnlich weit entwickelt. Unter einem tiefblauen Himmel mit kleinen weißen Wolken entstand genau das Bild eines perfekten Sommertages.
Das goldene Getreide unter dem strahlend blauen Himmel war einer der ersten Eindrücke meiner Reise.

Der Plan war eigentlich einfach: entspannt bis nach Nördlingen fahren, vorher noch einkaufen und rechtzeitig an meiner ersten Unterkunft ankommen.
Doch Pläne und Radreisen sind bekanntlich zwei verschiedene Dinge.
Ich hatte meine Route nicht genau überprüft. Was auf der Karte wie ein harmloser Waldweg aussah, entpuppte sich plötzlich als schmaler Trampelpfad. Mit einem voll beladenen Reiserad war an Fahren kaum noch zu denken. Statt entspannt durch den Wald zu rollen, musste ich das schwere Fahrrad über unwegsames Gelände schieben.
Irgendwann war meine Geduld am Ende.
Ich fluchte so laut, dass vermutlich sämtliche Tiere im Umkreis von einem Kilometer erschrocken das Weite suchten. In diesem Moment konnte ich darüber überhaupt nicht lachen. Heute gehört genau diese Episode schon zu den Geschichten, die eine Reise einzigartig machen.
Nach diesem unfreiwilligen Abenteuer führte mich die Strecke weiter über Amerdingen und Ederheim bis nach Nördlingen, meinem ersten Etappenziel.
Die beeindruckende Kirche in Nördlingen begrüßte mich am Ende meines ersten Reisetages.
Dort wartete bereits meine Unterkunft über One Night Tent. Heinrich und Nadine waren neugierig, wer denn mit dem voll beladenen Fahrrad ankommen würde. Kaum angekommen, durfte ich erst einmal die Dusche nutzen. Nach den Strapazen des Tages fühlte sich das fast wie purer Luxus an.
Später saßen wir noch gemütlich zusammen. Bei einem alkoholfreien Radler durfte ich mich im Gästebuch verewigen. Aus einem kurzen Kennenlernen entwickelte sich schnell ein richtig angenehmes Gespräch. Wir unterhielten uns bis etwa 22:30 Uhr über Reisen, Fahrräder und viele andere Themen.
Genau solche Begegnungen machen eine Radreise besonders. Man startet als Fremder und geht oft mit dem Gefühl, neue Freunde gefunden zu haben.
Kulinarisch war der erste Tag dagegen eher schlicht. Außer einem veganen Joghurt mit Obst blieb kaum Zeit zum Essen. Nach der Ankunft war ich einfach zu müde, um mich noch um ein großes Abendessen zu kümmern.
Als ich schließlich ins Bett fiel, dachte ich noch einmal an den Beginn dieses Tages zurück. Die Unsicherheit vor der Abfahrt, die gut gemeinten Wünsche, die Flüche im Wald und die herzliche Gastfreundschaft am Abend – all das gehörte bereits zum ersten Kapitel meiner Reise.
Der erste Tag war anstrengender als gedacht. Aber genau so hatte ich mir dieses Abenteuer vorgestellt: nicht perfekt, sondern echt.
Und morgen wartet bereits die nächste Etappe Richtung Norden.
